Folgendes Interview erscheint in unserem nächsten Mitgliederrundbrief:
Matthias Gauger (26 Jahre), Politikwissenschaftler, ist Direktkandidat der Grünen in der Stadt Würzburg. Er kandidiert auf dem sechsten Listenplatz in Unterfranken für den bayerischen Landtag.
Matthias, Dein Wahlkampf hat schon vor ein paar Wochen begonnen. Die ersten Veranstaltungen waren schon Ende April. Macht Dir der Wahlkampf noch Spaß?
Natürlich. Wir haben ja noch nicht einmal richtig los gelegt. Trotz all dem Stress freue ich mich riesig auf
die heiße Phase im September. Das wird die Zeit, wenn die CSU an ihrer Politik gemessen wird und den Wählern zeigen muss, warum sie künftig weiter regieren soll. Ich bin mir sicher, da werden sie in starke
Erklärungsnöte kommen. Wir werden den Wählern diese Antworten liefern können.
Die Antworten auf welche Fragen meinst Du?
Die Themen, die die Menschen in diesem Land bewegen, sind Bildung, Mobilität und Energie. Wir haben klare Konzepte für ein besseres Bildungssystem mit längerer gemeinsamer Schulzeit, kleineren Klassen und weniger sozialer Selektion. Das ist auch unsere Antwort auf die Frage, wie wir die Schule vor Ort erhalten wollen. Im Verkehrs- und Energiebereich tragen die stetig steigenden Energiepreise dazu bei, dass endlich Lösung gefunden werden müssen. Wir kämpfen schon lange für einen besser ausgebauten Öffentlichen Nahverkehr, den Ausbau der Erneuerbaren Energien und somit die Abkehr von fossilen Brennstoffen. Hätte
man diese Ressourcen früher genutzt, stünden wir heute nicht vor diesen großen Problemen. Energieeinsparung muss endlich besser staatlich gefördert werden. Bei Altbauten wie bei Neubauen. Auch der Ausbau von Radwegen darf nicht vernachlässigt werden. Das Fahrrad ist das am stärksten wachsende Verkehrsmittel, eine echte Alternative für kurze Strecken.
Und was ist die Lösung für jene, die längere Strecken zur Arbeit zurück legen – brauchen die die Pendlerpauschale wieder?
Nein! Die Pendlerpauschale ist doch nichts weiter als eine populistische Forderung der CSU. Wer profitiert
denn davon? Das sind nur Arbeitnehmer, die eine weite Strecke zur Arbeit mit dem Auto zurück legen.
Wer Arbeitnehmer entlasten will, muss an den großen Stellschrauben der Steuerpolitik drehen. Durch Vereinfachung des Systems und der Abschaffung von Ausnahmetatbeständen wie zum Beispiel der Pendlerpauschale. Aber das ist kein Landesthema. Viel mehr gilt es für uns jenen ArbeitnehmerInnen, die
eine langen Weg zur Arbeit zurück legen durch einen gut ausgebauten und getakteten
Öffentlichen Nahverkehr eine kostengünstige und attraktive Alternative zum Auto zu bieten.
Wieso führt die CSU dann diese Diskussion, wenn es kein Landesthema ist?
Ich denke, wenn man sich mit Landesthemen nicht mehr profilieren kann, versucht man eben davon abzulenken. In den letzten Jahren hat sich die CSU sicherlich nicht mit Ruhm bekleckert. Die Unis sind marode, die Schulen völlig überlastet mit der G8-Umstellung, die Bayern- LB benötigte einen Milliardenzuschuss. Dazu sind Mittelständler wie Campa durch die, von der CSU mitbeschlossene, Besteuerung von Bio-Kraftstoffen und die fehlende Landesbürgschaft in den Ruin getrieben worden. Da gibt es einfach wenig, womit man für sich Wahlkampf machen könnte. Da hilft auch die übliche Formel Bayern sei die CSU und die CSU sei Bayern nicht mehr.
Noch ein paar persönliche Fragen: Was war dein bislang schönster Moment im Wahlkampf?
Einen schönsten Moment kann ich überhaupt nicht benennen. Mir macht es einfach grundsätzlich viel Spaß auf der Straße zu stehen und mit den Passanten ins Gespräch zu kommen. Mich reizen die Veranstaltung mit unseren Gästen aus dem Bundestag oder dem Landtag und mir machen die Podiumsdiskussionen mit den anderen Kandidaten großen Spaß. Auch der Besuch verschiedener Einrichtungen ist jedes mal sehr spannend. Man lernt Dinge kennen, die man sonst nie zu sehen bekäme. Aber trotz allem wird der schönste Moment hoffentlich am Abend des 28. September sein.
Ihr führt offensichtlich einen gemeinsamen Wahlkampf in Stadt und Landkreis – warum?
Wir wollen einen Würzburger im Landtag haben. Das schaffen wir nur, wenn wir möglichst viele Zweitstimmen in unseren Nachbarstimmkreisen auf uns ziehen können. Daher haben wir uns entschieden den Wahlkampf gemeinsam zu planen und gemeinsam durchzuziehen. Dabei konzentriert sich Martin (Heilig) mehr auf den Landkreis und ich mich auf die Stadt.
Wie lautet deine Prognose für die Wahl?
Für Bayern prognostiziere ich 50-x% für die CSU. Neben uns Grünen wird nur noch die SPD in den Landtag einziehen. FDP und Freie Wähler werden, wenn auch knapp, scheitern. Die Linke auch. Uns sehe ich zweistellig.
Und Deine persönlichen Chancen?
Ich habe einen sehr guten Stimmkreis und hoffe mit einem guten Erststimmen-Ergebnis und einigen Zweitstimmen zumindest auf den dritten Platz nach vorn gewählt zu werden. Wenn wir drei Abgeordnete aus Unterfranken rein bekommen, sieht es also ganz gut aus.
Das Interview führte Katharina Günther

