Fragebogen FDK

Den nachfolgenden Fragebogen habe ich für den Familienbund der Katholiken Würzburg beantwortet. Die kompletten Fragestellungen und die Antworten der anderen Kandidaten (soweit vorhanden) finden Sie hier.

„Infrastruktur, Zeit und Geld“

1 a) Welche (landes-)politischen Maßnahmen möchten Sie fortführen, welche initiieren, um Familien diese zentralen Ressourcen zur Verfügung zu stellen?

1 b) Das richtige Verhältnis von innerfamiliärer Erziehung und außerfamiliärer Unterstützung oder Intervention ist nicht immer leicht zu finden. Was gehört Ihrer Ansicht nach verlässlich in die Familie, wo ist Unterstützung von außen angebracht oder notwendig?
Erziehung sollte in erster Linie Sache der Eltern sein. Sie vermitteln im Idealfall ihren Kindern maßgebliche und wichtige Werte für das spätere Leben. Sie entscheiden darüber, wie und wann ihnen Wissen vermittelt wird. Sie tragen die Verantwortung für ihre Kinder und sorgen sich um deren Wohl. Da dies aber leider nicht immer der Fall ist, ist es notwendig, Strukturen zu schaffen, die Vernachlässigungen zuverlässig und frühzeitig erkennen. Ohne aber alle Eltern unter Generalverdacht zu stellen. Erfolgen kann dies durch verbindliche, vorgeschriebene frühkindliche Vorsorgeuntersuchungen, wie sie der Freistaat eingeführt hat. Darüber hinaus müssen die Verantwortlichen in Kinderkrippen, Kindergärten und in den Schulen entsprechende geschult werden und angehalten sein, Fehlentwicklungen und Vernachlässigungen früh zu erkennen, um deren Folgen entgegengesteuern zu können.

2 a) Was verstehen Sie unter dem Begriff „Wahlfreiheit für Eltern“?
Darunter verstehe ich, dass man den Eltern eine wirkliche Freiheit in der Wahl ihrer Erziehung lässt. Die Entscheidung, ob die Mutter oder der Vater daheim bleiben will oder beide Elternteile arbeiten wollen, sollte keine Nachteile mit sich bringen. Das bedeutet neben dem Ausbau von Kinderkrippen und der Bereitstellung von Krippenplätzen auch Strukturen zu schaffen, die es Elternteilen ermöglichen, zuhause zu bleiben und ihre Kinder selbst groß zu ziehen. Die Möglichkeit, die Kinder von Großeltern, Bekannten oder Nachbarn betreuen zu lassen, sollte des weiteren entsprechend staatlich unterstützt werden

2 b) Welche (landes-)politischen Maßnahmen, die sich nicht auf Umverteilungen im Familienetat beschränken, halten Sie für realistisch und geeignet, diese Wahlfreiheit zu stärken?
Die demographische Entwicklung in Deutschland sorgt für eine immer weiter alternde Gesellschaft. Kinder kommen in der Lebensplanung des Einzelnen immer später oder gar nicht vor. Unser Staat basiert allerdings darauf, dass die nachfolgenden Generationen für die ältere Generation sorgen. Darum muss es Pflicht des Staates sein, entsprechend in seine eigene Zukunft zu investieren. Dafür Geld in die Hand zu nehmen, ist gerechtfertigter, als ständig neue Straßen zu bauen, deren Unterhalt bald kaum mehr zu finanzieren ist Eine andere Verteilung der Mittel im Haushalt des Freistaats und des Bundes ist definitiv erforderlich.
Konkrete Maßnahmen müssen sein: Es ist notwendig, genügend Krippenplätze für die Eltern zur Verfügung zu stellen, die weiter ihrer Arbeit nachgehen wollen. Firmen sollten angehalten sein, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entsprechend flexible Modelle anzubieten, um Beruf und Familie vereinbaren zu können, zum Beispiel flexible Arbeitszeiten oder Telearbeitsplätze. Firmen, die dies ihren Mitarbeitern ermöglichen, sollten im Gegenzug entsprechend profitieren, etwa durch finanzielle Unterstützung oder Prämierungen, die förderlich für das Image des Betriebes sind.
Auf der anderen Seite gilt es Modelle zu entwickeln, die Elternteilen die Möglichkeit bieten, ohne große finanzielle Einbußen oder sonstige Nachteile zuhause zu bleiben, und die Kinder selbst groß zu ziehen. Der Erhalt des Arbeitsplatzes ist dabei selbstverständlich. Die finanziellen Nachteile sind in gewissem Maße auszugleichen. Analog dazu muss die Möglichkeit bestehen, dass Eltern die Betreuung ihrer Kinder auch Großeltern, Nachbarn oder Bekannten überlassen. Die Möglichkeit, dies entsprechend und ohne großen bürokratischen Aufwand zu entlohnen, muss gegeben sein.

3 a) Welche Maßnahmen der Bildungspolitik befürworten Sie, um den „Bildungsdruck“ unter dem Eltern nach Aussage der Studie „Eltern unter Druck“ der KAS stehen, zu mindern?
Erste Maßnahme muss eine längere gemeinsame Schulzeit für alle Schülerinnen und Schüler sein. Die frühe Auslese in der vierten Klasse setzt Kinder und Eltern ungemein unter Druck. Die Mobilität zwischen den verschiedenen Schularten ist nach oben sehr gering. Die Weichen für die künftigen Perspektiven der Kinder werden im Alter von gerade einmal zehn Jahren maßgeblich gestellt. Eine gemeinsame Schulzeit von neun oder zehn Jahren würde dieser Entwicklung entgegenwirken. Die oftmals vertretene These, die schlechten Schüler würden dadurch frustriert und die guten Schüler würden nicht entsprechend gefordert, ist nach dem neusten Stand der Forschung falsch. Viel mehr steigern sich die Leistungen der schwachen Schüler erheblich und die Leistungen der guten Schüler werden höchstens geringfügig schwächer. Dafür gewinnen die starken Schüler an sozialer Kompetenz, beispielsweise indem sie schwache Schüler unterstützen. Dieses System funktioniert allerdings nur, wenn man zusätzlich Maßnahmen ergreift, die die schwachen Schüler fördern. Das Bildungssystem muss gleiche Chancen für alle Kinder bieten.
Laut einer Berliner Studie geben 30% der Nachhilfe-Schüler pro Jahr 1300 Euro für professionellen Nachhilfe-Unterricht aus. Private Anbieter stellen also eine zusätzliche finanzielle Belastung der Eltern dar oder sind aufgrund der Mehrbelastung nicht für Jedermann erschwinglich. Für die Politik bedeutet das: Die Schulen müssen gegenüber privaten Anbietern konkurrenzfähiger werden. Das heißt: kleinere Klassen, individuellere Förderung, Ausbau von musischen und sportlichen Angeboten. Eine weitere Privatisierung von Bildungschancen darf es nicht geben.

3 b) Wie stehen Sie zu den Studiengebühren? Müssen sich Eltern darauf einstellen, künftig noch stärker an der Finanzierung des Bildungssystems beteiligt zu werden?
Die in Bayern erhobenen Studiengebühren lehne ich in dieser Form kategorisch ab. Sie forcieren durch fehlende soziale Kriterien bei den Befreiungstatbeständen die soziale Selektion. Sie kommen nicht zu vollen Stücken den Studierenden zu Gute. Die angebotenen Darlehen sind nicht sozialverträglich, sondern belasten die darauf angewiesenen Studierenden unverhältnismäßig. Schulden von mehreren zehntausend Euro werden die Regel. Mit dem Start ins Berufsleben beginnt man nicht mit der Familienplanung, sondern mit der Tilgung seiner Schulden.
An den Universitäten kommt von den Studienbeiträgen meist weniger als die Hälfte des Geldes in Form von Leistungen wieder bei den Studierenden an.. Der Rest fließt in die Verwaltung der Gebühren und dient dem Beheben von Mängeln und Nöten, die durch die massiven Kürzungen nach der letzten Landtagswahl hervorgerufen wurden.
Doch auf der anderen Seite gilt es zu beachten: Unser Bildungssystem ist stark sozial selektierend. Sozialschwache Kinder und jene, deren Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss haben, schaffen es, so besagt es der neueste Sozialbericht der Deutschen Studentenwerke und diverse Studien wie PISA oder IGLU, nur selten bis an die Universitäten. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Bevölkerung nicht die Möglichkeit hat, Hochschulbildung zu erfahren, jedoch durch Steuern den Unterhalt der Universitäten und Fachhochschulen mitträgt. Deshalb halte ich Modelle für denkbar, die Studierende an den Kosten ihres Studiums beteiligen Grundvoraussetzungen dafür sind allerdings, dass es keine weiteren Kosten an den Universitäten und Fachhochschulen gibt. Die Befreiungstatbestände müssen strikt nach sozialen Kriterien erfolgen. Darlehen müssen zu verträglichen Konditionen angeboten werden, um die Eltern zu entlasten. Das Stipendien-System muss ausgebaut werden. BAföG sollte unabhängig vom Einkommen der Eltern ausbezahlt werden, um die Abhängigkeit der Kinder von ihren Eltern und die Belastung der Eltern zu verringern. Dies erfordert eine Mittelumverteilung seitens des Bundes, die aber durch den Wegfall der Verwaltung teilweise kompensiert werden kann.
Die Qualität der Lehre und das Betreuungsverhältnis muss massiv verbessert werden.
Da ein solches Modell nicht absehbar scheint, lehnen meine Partei und ich Studiengebühren in Bayern strikt ab.

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