Julia Seeliger ist mit 29 Jahren das jüngste Mitglied im Parteirat der Grünen. Für ihre Generation ist der Umgang mit Internet und digitalen Medien selbstverständlich. Auf Einladung der Grünen Hochschulgruppe Würzburg war sie zu einem Vortag zu den Themen Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung und informationelle Selbstbestimmung in die Burse im Studentenhaus geladen. Flankiert wurde sie vom Vorsitzenden der Grünen Hochschulgruppe Martin Hümmert und Sprecher der Studierenden Matthias Rögele. Die Veranstaltung moderierte der grüne Landtagsdirektkandidat Matthias Gauger.
Vor mehr als 30 Zuhörern kritisierte Seeliger die neuesten Pläne des Innenministers Schäuble und der Justizministerin Zypries. Diese gingen mit ihrem Vorschlag eines neuen Gesetzes für das Bundeskriminalamt (BKA) mit Online-Durchsuchungen, Videoüberwachung im privaten Umfeld und der sechsmonatigen Speicherung von Daten, die Auskunft über besuchte Internetseiten und geführte Telefongespräche an die Öffentlichkeit.
Darüber hinaus sei es wichtig, dass man ein Bewusstsein für den Umgang mit seinen eigenen Daten entwickle. Im digitalen Zeitalter verbreiten sich Informationen in sekundenschnelle. Die Aufbewahrung und Vernetzung dieser Daten läuft vollautomatisch und ohne großen Aufwand. Bei der Anmeldung auf Internetseiten, müsse man sich einfach immer Fragen: „Wozu brauchen die hier eigentlich meine ganzen Angaben?“, so Seeliger. Der Handel mit Adressen sei ein lukratives und stetig wachsendes Geschäft. Eine Menge Unternehmen sind heute schon darauf spezialisiert Konsumentenprofile zu erstellen und durch Scoring-Systeme die Bonität potentielle Kunden zu bewerten. Auch sei es dank Google für die Personalabteilungen heute einfach, weitere Informationen über Bewerber zu erhalten „Gesetzlich regeln lässt sich da wenig.“, stellte Landtagskandidat Gauger fest. “Informationen, woher auch immer gewonnen, fließen immer in Entscheidungen ein. Das lässt sich kaum verhindern.“ Jeder müsse sich vorher überlegen, was er in Blogs oder sozialen Netzwerken wie StudiVZ oder Facebook preis gebe. „Gerade in diesem Bereich wollen wir als GHG künftig etwas mehr informieren und sensibiliseren.“, ergänzte der Vorsitzende Hümmert.
Abschließend berichtete Rögele von der Situation an der Universität, die immer mehr auf Online-Lösungen setze. Ein neugegründeter Arbeitskreis Datenschutz des Sprecherinnen- und Sprecherrates will daher in Zukunft auch an der Uni ein gewisses Bewusstsein schaffen. „RFID-Chips auf der Mensakarte, unverschlüsseltes WLAN und Kontenabfrage des BAföG-Amtes – da gibt es wirklich genug zu tun.“, so Rögele.
Die Grüne Hochschulgruppe trifft sich in der Regel jeden zweiten Donnerstag um 20 Uhr im Grünen Büro in der Textorstr. 14. Näheres auf www.ghg-wuerzburg.de.
Der AK Datenschutz des Sprecherinnen- und Sprecherrats trifft sich das nächste Mal am 28. April um 19:30 Uhr in der ESG. Interessierte sind jederzeit herzlich Willkommen vorbeizuschauen.


